Dieselmotoremissionen und Lungenkrebsrisiko

Hintergrund

Im Juni 2012 hat eine Expertengruppe für die International Agency for Research on Cancer (IARC) eine Neubewertung der vorliegenden Daten zu Diesel-motor-Emissionen (DME) vorgenommen. DME wurden dabei als „krebserzeugend beim Menschen“ in die Gruppe 1 eingestuft. Ausschlaggebend für die Einstufung der IARC-Arbeitsgruppe waren epidemiologische Untersuchungen in mit DME belasteten Arbeitsbereichen unter Tage, bei Eisenbahnern und Lkw-Fahrern. Die Klassifikation erfolgte allerdings mit dem Hinweis, dass die bewerteten toxikologischen und epidemiologischen Studien nur eine Belastung durch DME bis zum Jahr 2000 beschreiben. Auch in den berücksichtigten Tierversuchsstudien wurden DME untersucht, die dem Stand vor dem Jahr 2000 entsprechen. IARC gibt in der Begründung lediglich Hinweise für eine Risikoidentifizierung dieser Emissionen, nicht jedoch für eine mögliche Risikohöhe.

 

Beitrag EUGT

Alle benannten epidemiologischen Studien zeigen relevante methodische Schwächen, die in entsprechend publizierten Kritiken der Analysen niedergelegt sind. So ergeben beispielsweise die Daten aus der Diesel Exhaust in Miners Study (DEMS) keine relevanten Risikoerhöhungen, sofern die Analyse nach Studienprotokoll ausgeführt wird. Die Lkw-Fahrerstudie wurde zudem überadjustiert durch doppelte Verwendung der Expositionsdauer. EUGT hat diese Kritik in einem wissenschaftlichen Poster auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin 2013 zur Diskussion gestellt.

 

Ergebnis

Aus toxikologischer und arbeitsmedizinischer Sicht ist es nicht sachgerecht die aktuelle DME-Grenzwertdiskussion auf die Ergebnisse der IARC-Bewertung und die zugrunde liegenden epidemiologischen Studien zu alten DME (TDE) zu stützen. Diese Auffassung vertritt auch die Ständige Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Zudem sind weitere Studien erforderlich, um mögliche Kurzzeiteffekte von NTDE Emissionen bewerten zu können.

 

Bewertung

Aus der aktuellen IARC-Begründung können keine Hinweise auf ein mögliches gesundheitliches Risiko bei den New Technology Diesel Emissions (NTDE) abgeleitet werden.  Technologische Weiterentwicklungen von Diesel- und Ottomotoren einschließlich ihrer Abgaskonzepte sollten frühzeitig auf ihre umweltmedizinischen Wirkungen überprüft werden.