Literaturübersicht zur Elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV)

Hintergrund

Menschen mit (aktiven) elektronischen Implantaten gehören heute zum medizinischen Alltag. Etwa 1% der deutschen Bevölkerung trägt einen Herzschrittmacher oder einen implantierbaren Defibrillator (ICD).

Äußere elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder können durch Überlagerung der körpereigenen Signale aktive elektronische Implantate in ihrer Funktion stören, was zu einer Gefährdung des Patienten führen kann. Erste Hinweise auf eine Störbeeinflussung kardialer Implantate sind bereits seit den Sechzigerjahren bekannt.

Es besteht derzeit kein einheitliches und umfassendes Bild darüber, unter welchen Feldbedingungen aktive Implantate gestört werden können. Durch die weitere Zunahme an Geräten und Anwendungen, bei denen elektromagnetische Felder emittiert werden, wird sich die Zahl der Betroffenen noch erhöhen. Dabei rückt gerade der Zwischenfrequenz-Bereich von 1 kHz bis 1 MHz durch den vermehrten Einsatz von Leistungselektronik immer mehr in den Fokus. Beispiele solcher Feldquellen sind RFID-Technologien sowie Induktionskochherde, Waren-sicherungssysteme, Systeme zum drahtlosen Laden oder auch Fahrzeugkonzepte der Elektromobilität.

 

Beitrag EUGT

EUGT hat eine systematische Literaturübersicht erstellen lassen, die die aktuelle wissenschaftliche Datenlage zu Quellen von elektromagnetischen Feldern im Zwischenfrequenzbereich und deren Störbeeinflussung aktiver elektronischer Implantate aufzeigt.

 

Ergebnis

Die vorkommenden elektromagnetischen Felder lagen in der Regel unterhalb der Referenzwerte der Internationalen Kommission für den Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung (ICNIRP). Nur in der Nähe von Ladestationen oder stationären Warensicherungssystemen kam es zu Überschreitungen dieser Werte. Im Ergebnis konnte gezeigt werden, dass die Störbeeinflussung jedoch nicht nur von der Feldquelle (Frequenz, Stärke, Signalform) abhängig ist, sondern auch vom Implantattyp, Einstellungen, Sondenart und Sondenposition.

 

Bewertung

Die vorliegenden Studien ermöglichen die Identifizierung erster Prädikatoren für eine Störbeeinflussung kardialer Implantate, das heißt für welche Feldquellen (Warensicherungssysteme, Induktionsherde) unter welchen Umständen (Abstände, Feldstärke) eine Störbeeinflussung zu erwarten ist. Für Aussagen bisher nicht berücksichtigter Feldquellen sowie zu anderen aktiven Implantate sind weitere Forschungsvorhaben notwendig.