Umweltfaktor Lärm

Hintergrund

Auf der Liste störender und möglicherweise krankmachender Umweltfaktoren steht Umweltlärm nach Luftverschmutzung in der Wahrnehmung der Bevölkerung an zweiter Stelle. In der Europäischen Union gilt seit 2002 die „Umgebungslärmrichtlinie“ mit dem Ziel, Lärmimmissionen zu kartieren und damit die Zahl der von Lärm betroffenen Bürger berechnen zu können. Betrachtet werden die Lärmeinwirkungen von Industrie, Straßenverkehr, Schienenverkehr und Flugverkehr. In Form von Aktionsplänen sollen dann Maßnahmen zur Lärmminderung entwickelt werden.

In Deutschland hat das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung im Jahr 2009 das „Nationale Verkehrslärmschutzpaket II“ vorgestellt. Darin sind die Ziele der Lärmvorsorge bis zum Jahr 2020 festgehalten. Im Straßenverkehr geht es konkret um die Entlastung von Lärmschwerpunkten, die Reduzierung der Verkehrslärmbelastung trotz steigenden Verkehrsaufkommens. Ziel ist eine Lärmminderung um 30 Prozent ausgehend vom Jahr 2008.

 

Beitrag EUGT

  • EUGT führte in den Jahren 2009 bis 2011 zwei Studien durch, die Aufschluss über Verkehrslärmauswirkungen auf die Leistungsfähigkeit und eine subjektiv empfundene Belästigung in Abhängigkeit von Alter und Geschlecht geben sollten.
  • Teilnahme an EU-Umfrage zur Lärmbelastung.

 

Ergebnis

Die Arbeiten zeigen, dass mit zunehmendem Alter gleich laute Geräusche negativer beurteilt werden. Auch Persönlichkeitsmerkmale und die subjektive Lärmempfindlichkeit haben einen deutlichen Effekt auf die individuelle Geräuschbewertung und das Ausmaß biologischer Reaktionen. Diese Arbeiten zu den Auswirkungen des Straßenverkehrslärms haben aber auch ergeben, dass weniger die Verteilung der Vorbeifahrgeräusche als vielmehr die Maximalpegel der Einzelvorbeifahrten als besonders lästig empfunden werden.

 

Bewertung

Die Verringerung der Gesamtlärmbelastung mit technischen und verkehrslenkenden Maßnahmen muss vorangetrieben werden, insbesondere wenn besondere Lärmquellen oder Lärmpegelüberschreitungen mit Auswirkungen auf die Bevölkerung festgestellt werden. Unabhängig davon empfiehlt EUGT, bei Verkehrslärmuntersuchungen stärker die subjektiven Bewertungen von Schallreizen zu berücksichtigen und in die Maßnahmenplanung mit einzubeziehen.

Preis des Zentralblatts 2012 für EUGT-Studie

Das Zentralblatt für Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz und Ergonomie hat im November 2012 fünf Wissenschaftler für deren von EUGT geförderte Arbeit zu physiologischen und subjektiven Reaktionen auf Pkw-Vorbeifahrgeräusche ausgezeichnet.

Der Preis des Zentralblatts wird alljährlich für Arbeiten verliehen, die neue wissenschaftliche Ergebnisse auf hohem Niveau allgemein verständlich darstellen. Die Preisträger 2011 der Heinrich-Heine Universität-Düsseldorf sind Dr. Gert Notbohm, Dr. Renate Schmook, Ricarda Mertens, Michael Frerich und Prof. Dr. Sieglinde Schwarze.