Stickstoffdioxid (NO2)

Hintergrund

Seit dem Jahr 2010 gilt ein EU-weiter Jahresgrenzwert von im Mittel 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft für Stickstoffdioxid (NO2). Dieser Wert wird in Deutschland gegenwärtig noch an vielen städtischen Messstellen überschritten. Zur Einhaltung der Grenzwerte werden daher weitere Maßnahmen notwendig, obwohl die Auswirkungen von NO2 auf die Gesundheit des Menschen in diesen niedrigen Konzentrationen bislang nur unzureichend geklärt sind.

Nach Messungen des Umweltbundesamtes trägt der Straßenverkehr 44 Prozent zu den energiebedingten NOx-Emissionen (=NO + NO2) bei. Obwohl der Ausstoß an NOx trotz wachsender Fahrleistungen stetig sinkt, bleibt der Anteil an NO2 weitgehend gleich. Dies lässt sich nicht nur mit komplexen Wechselwirkungen der Atmosphärenchemie, sondern auch mit direkten NO2-Emissionen von Dieselfahrzeugen begründen.

Mit der Einführung der Euro-6-Norm mit entsprechender Abgasreinigung werden die NOx- und die NO2-Emissionen ab dem Jahr 2014 gegenüber den Euro-4-Dieselfahrzeugen deutlich um rund 70 Prozent reduziert.

 

Beitrag EUGT

  • EUGT hat im Jahr 2008 Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik zu einem interdisziplinären Fachkongress eingeladen, um die Auswirkungen von NO2 auf Mensch und Umwelt zu diskutieren.
  • Im Zusammenwirken mit der Forschungsvereinigung für Automobiltechnik (FAT) wurde im Jahr 2009 eine umfangreiche Literaturübersicht zu gesundheitlichen Wirkungen von NO2-Belastungen am Menschen veröffentlicht.
  • Beauftragung einer Inhalationsstudie zur Wirksamkeit niedriger NO2-Konzentrationen beim Menschen.

 

Ergebnis

Die aktuell vorliegenden wissenschaftlichen Daten lassen nur sehr begrenzte Rückschlüsse auf eine Gesundheitsgefährdung im Bereich der festgelegten Grenzwerte in Umweltsituationen zu. Eine gesundheitliche Belastung lässt sich derzeit allenfalls für beeinträchtigte Personengruppen, wie beispielsweise Asthmatiker, ableiten.

 

Bewertung

Stickstoffoxide sollten nicht als isolierter Schadstoff betrachtet werden. Zudem tragen die verkehrsnahen stationären Messstationen der Umweltämter der realen Expositionssituation nicht ausreichend Rechnung. Arbeitsplatz- und Industrieemissionen sind in die Szenarien einzubeziehen.

Ungeachtet dessen muss auch der Verkehrssektor einen wesentlichen Reduktionsbeitrag leisten. EUGT unterstützt deshalb die gemeinsame Zielsetzung des Bundesumweltministeriums und des Verbands der Automobilindustrie, mit einer „NO2-Roadmap“ den NO2-Grenzwertüberschreitungen aktiv entgegen zu wirken.

Publikationen

  • Uta Latza, Silke Gerdes, Xaver Baur: "Effects of nitrogen dioxide on human health: Systematic review of experimental and epidemiological studies conducted between 2002 and 2006", Int J Hyg Environ Health 212:271-87 (2009)

Link zur Veröffentlichung

Forscherteam

[Foto: privat]

Frau Prof. Dr. Uta Latza (MPH) ist Spezialistin in betrieblicher Epidemiologie und arbeitet in Gesundheitsforschung und Prävention. Sie hat an der Alice Salomon Hochschule Berlin eine Professur für Gesundheits-/Rehabilitationswissenschaft inne.

mehr zu Prof. Latza